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Verhaltenstherapie

Begriffserklärung

Verhaltenstherapie ist eine der drei durch gesetzliche Krankenkassen anerkannten und finanzierten Behandlungsmethoden bei psychischen Erkrankungen.

Die Verhaltenstherapie ist ein gezielter, zeitlich begrenzter Lernprozess zur Erarbeitung neuer Muster im Denken (Gedanken aufgrund von Haltungen, Einstellungen, Bewertungen), Fühlen (seelisch und körperlich) und Handeln (das sichtbare Tun), mit denen die aktuellen und auch künftigen Lebenssituationen besser bewältigt werden können. Ziel ist das Erkennen und die dauerhafte Veränderung krankmachender Einstellungen und Lebenshaltungen. Die Verhaltenstherapie befasst sich vorwiegend mit der Gegenwart und den Möglichkeiten konkreter Veränderung in kleinen Schritten. Normalerweise finden die Therapiesitzungen einmal pro Woche mit 50 Minuten Dauer statt. Um die Therapie wirksam zu gestalten, bedarf es wesentlich auch der Bereitschaft der Patientin / des Patienten, Zeit für Vor- und Nachbereitung der Sitzungen und das Ausprobieren neuer Ansätze / Verhaltensoptionen im Alltag einzusetzen.

 

Arbeitskonzept

Während meiner Verhaltenstherapie-Ausbildung habe ich mich besonders mit dem Ansatz der Selbstmanagement-Therapie befasst. Die zentrale Annahme ist es, dass jede Person den Wunsch hat, ihr Leben selbst zu gestalten. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben (wieder) selbst in die Hand zu nehmen, die Eigenverantwortung für wesentliche Lebensbereiche wie seelisches und körperliches Wohlbefinden, Gesundheit, Partnerschaft/Familie, Freundschaften, Beruf/Leistung und persönliche Interessen zu stärken. Besonderes Merkmal ist daher: Jeder Schritt wird für die Person transparent gemacht, das Vorgehen wird aktiv besprochen, geklärt, abgestimmt und ist jederzeit nachvollziehbar. So wird die behandelte Person immer mehr „Expertin / Experte“ für die Therapie und damit die eigenständige Lebensbewältigung und Lebensgestaltung.

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass die meisten Verhaltens­weisen im Verlauf der Lebensgeschichte erlernt, also erworben wurden. Damit werden sie als veränderbar betrachtet. „Verhalten“ wird auf vier Ebenen betrachtet: Der Ebene der Gedanken (z.B. „Ich muss alles perfekt schaffen“), der Ebene der Gefühle (Druck, Überforderung, Versagensangst), der Ebene der körperlichen Reaktionen (hohe Muskelspannung, flache Atmung) und der Ebene des Handelns (Einsatz über die eigenen Grenzen hinaus). Diese beispielhaft genannten Muster könnten zur Aufrechterhaltung einer depressiven Problematik beitragen. Hierbei würden auf Dauer Selbstfürsorge, Erholung, Genuss und vielleicht auch Unterstützungsmöglichkeiten durch andere Menschen zu kurz kommen. Solange eine Person ihre „Ziele“ erreicht, z.B. Anerkennung für ihre Belastbarkeit und Tüchtigkeit oder die Vermeidung von Kritik und Konflikten, kann es gut gehen. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, z.B. durch Kritik, einen Fehler, der ihr unterläuft, zusätzliche Anforderungen, eine körperliche Erkrankung kann es zum Zusammenbruch des „Systems“ kommen. Der Mensch bewertet sich selbst als „Versager“. Dies kann in eine Depression mit dauerhafter Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Erschöpfung und psychosomatischen Beschwerden führen.

Am Beginn des verhaltenstherapeutischen Prozesses steht eine umfassende Erkundung der Problematik. Unter welchen Bedingungen ist das Problem entstanden? Wurde sie durch ein besonders belastendes auslösendes Ereignis hervorgerufen oder hat sie sich im Laufe der Lebens- und Lerngeschichte eher schleichend entwickelt? Wann treten die Symptome auf? Wie äußern sie sich? Auf welchen Verhaltensebenen? Welche Bedingungen/Umstände verbessern, welche verschlechtern das Befinden? Daraus ergibt sich ein Modell, welche Situationen auslösend waren und sind und welche Reaktionsmuster der Person ungünstig oder sogar schädlich für sie selbst oder auch das Umfeld sind. Aus diesem Modell und den Zielvorstellungen der Person wird ein Therapievorschlag entwickelt. Die Ziele werden konkret definiert, sodass immer wieder resümiert und überprüft werden kann, ob der eingeschlagene Weg erfolgversprechend ist oder ob es einer Veränderung des Vorgehens bedarf.

Eine Grundlage meines Therapieansatzes ist es, der Person zu einem Verständnis zu verhelfen, wie ihre Schwierigkeiten entstanden sind und was sie so lange aufrechter­halten hat. Das mildert Schuld- und Versagensgefühle und bietet die Grundlage für eine höhere Eigenmotivation für aktive Änderungsprozesse.

Manchmal kommt es durch die Veränderung der Person zu Irritationen im Umfeld. Die anderen sind es nicht gewöhnt, dass die Person anders fühlt, denkt, also auch anders handelt. Auch diese Situation wird in die Therapie einbezogen. Manchmal ist es sinnvoll, dass Lebenspartner oder andere wichtige Bezugspersonen zu einigen Gesprächen mitkommen. Dies reduziert häufig deren Unsicherheit hinsichtlich einer Weiterentwicklung.

Zur verhaltenstherapeutischen Arbeit gehört auch die Betonung der Zeit zwischen den Sitzungen. Sie ist wichtig für die Beobachtung von Zusammenhängen und für das Ausprobieren von etwas Neuem, zwei Grundlagen der Verhaltenstherapie. Dies wird häufig im Gespräch konkret vereinbart und damit gezielt eingesetzt. Beobachtungsaufgaben können beispielsweise sein: In welchen Situationen geht es mir schlecht? Welche Gedanken laufen dabei in mir ab? Wie verhalte ich mich dann? Wie wirkt sich das auf mich und andere aus? Anhand dieser Situationsanalysen werden alternative Denk-/Fühl-/Verhaltensweisen erarbeitet. Auch das Einüben von kleinen Entspannungseinheiten kann eine solche Aufgabe sein.

In meine verhaltenstherapeutische Arbeit beziehe ich methodische Ideen und Vorgehensweisen auch aus anderen wirksamen und fundierten Therapieformen wie auch Entspannungsverfahren ein.

Weitere Informationen zur psychotherapeutischen Versorgung finden Sie über folgende Links:

Informationen des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) unter www.bdp-verband.de

Informationsbroschüre der Kassenärztlichen Vereinigung „Psychotherapeutische Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ – Psychotherapie Koordinationsstelle Nürnberg, Tel. 01805/80 96 80 und www.kvb.de

Eine gute  Einführung in Therapieformen, wichtige Überlegungen vor einer Psychotherapie, Therapieablauf und Kostenübernahme finden Sie hier: Rosemarie Piontek. „Mut zur Veränderung“. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie. Balance buch + medien verlag, Bonn. ISBN 978-3-86739-038-5

 

Krankheitsbilder / Indikationen

Ich behandle alle häufigen seelischen Erkrankungen wie

  • Depressionen
  • Angststörungen (Panikattacken, Sozialangst, Agoraphobie, generalisierte Angststörung)
  • Anpassungsstörungen (aufgrund lebensgeschichtlicher Erfahrungen kommt eine Person mit einer aktuell belastenden Lebenssituation nicht mehr zurecht, obwohl sie bis dahin ihr Leben gut bewältigen konnte)

Spezialisiert habe ich mich zusätzlich auf

  • Essstörungen (Bulimie und Adipositas)
  • Körperbezogene Ängste (Angst vor schweren Krankheiten ohne organischen Befund)
  • Somatoforme Erkrankungen (starke körperliche Beschwerden ohne entsprechenden organischen Befund)
  • Zwangsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Burnout (geistig-seelisch-körperlicher Zusammenbruch nach langer Zeit der Verausgabung über die eigenen Grenzen hinaus z.B. im Beruf, in der Pflege Angehöriger)